«Partizipation»

Nationalfonds mit Ausschreibung zu Adoptionen

Nicht nur das Forschungsprojekt «Pflegekinder – next generation» beschäftigt sich mit dem Pflegekindersystem in der Schweiz: Mit einer ergänzenden Ausschreibung werden ganz aktuell beim Nationalfonds Projekte angeregt, die Adoptionen in Zwangslagen und Familienplatzierungen unter die Lupe nehmen.

Das NFP 76 befasst sich in historischer sowie gegenwarts- und zukunftsbezogener Perspektive mit Fürsorge und Zwang in der Schweiz. Mehr als hundert Forschende in 27 Projekten bearbeiten eine grosse Bandbreite an Forschungsfragen. Allerdings fehlen Projekte, die Adoptionen in Zwangslagen und Familienplatzierungen vertieft beforschen. Deshalb wird eine dritte Ausschreibung für Forschung in diesen Bereichen lanciert.

Das NFP 76 stellt insgesamt 240’000 CHF Franken für Forschung im Themenbereich Familienplatzierungen zur Verfügung. Eingabefrist für Forschungsgesuche ist der 10.2.2021.

Link zur Ausschreibung: 2ndCall 76_D_nach FR (nfp76.ch)

Letzter Forschungsauftrag vergeben

Nach einer zweiten Runde hat sich die Projektgruppe «Forschung & Entwicklung» nun auch bei der Ausschreibung «Vergleich von kantonalen Strukturen» auf ein Projekt geeinigt. So hat eine Forschergruppe der HES-SO Hochschule für Soziale Arbeit Fribourg, der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW sowie der ZHAW Department Soziale Arbeit das Rennen gemacht und wird die Pflegekindersysteme der Schweizer Kantone vergleichend analysieren.

Welche verschiedenen Typen von kantonalen Pflegekindersystemen gibt es in der Schweiz und wie sind sie jeweils in die kantonale Kinder- und Jugendhilfe eingebettet? Welche Platzierungsphilosophien verfolgen die Kantone? Wie wirken sich die verschiedenen kantonalen Systeme auf das Gelingen und die Unterstützung von Pflegeverhältnissen aus? Wie nehmen Pflegekinder, Pflegeeltern und Herkunftseltern das Pflegekindersystem wahr? Was empfinden sie als unterstützend oder belastend und welche Wünsche und Erwartungen haben sie in Bezug auf das Pflegekindersystem? Diese Fragen stehen im Zentrum der anstehenden Forschung der HES-SO Hochschule für Soziale Arbeit Fribourg, der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW sowie der ZHAW Department Soziale Arbeit.

Ausgangspunkt und Kern des Projektes sind die episodischen Interviews, welche mit Pflegekindern, Pflegeeltern und Herkunftseltern durchgeführt werden. Dieser Untersuchungsschritt wird parallel zur Beschreibung der Pflegekindersysteme der 26 Kantone durchgeführt. Das Projekt will unter anderem auf diese Weise Pflegekindersysteme der Schweizer Kantone vergleichend analysieren und Wechselwirkungen zwischen der administrativen, organisatorischen und rechtlichen Struktur und den im engeren Sinne für den Erfolg der Pflegeverhältnisse relevanten inhaltlichen Qualitätsmerkmale herausarbeiten.

Überzeugt hat die Projektgruppe «Forschung & Entwicklung» insbesondere die ausführliche Darstellung des komplexen Untersuchungsdesigns mit aufeinander aufbauenden Untersuchungsschritten.

Die Forschungsfelder «Gute Begleitung» sowie «Partizipation von Pflegekindern» wurden bereits früher vergeben. Nach dem Entscheid im Bereich «Vergleich von kantonalen Strukturen» sind beim nationalen Forschungsprojekt «Pflegekinder – next generation» nun alle Forschungsaufträge vergeben.

Ein Projekt im Dialog

Was Pflegekinder oder Pflegeeltern bewegt, muss die Forschung interessieren. In diesem Sinn wurden im Rahmen des Projekts «Pflegekinder – next generation» bereits sechs Treffen mit verschiedenen Dialoggruppen durchgeführt. In sogenannten «Worldcafés» wurden die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch gebracht zu Fragen, die für sie relevant sind. Die Erkenntnisse aus diesen Treffen waren für die Startphase des Projekts «Pflegekinder – next generation» ausserordentlich wertvoll. Jetzt, da die Forschung beginnt, werden die Dialoggruppen mit einem neuen Fokus fortgeführt.

Was läuft gut? Welche Aspekte sind schwierig? Wo gibt es Veränderungsbedarf? Diese und andere Fragen standen im Zentrum des Pilotdurchgangs Dialoggruppen, welche PACH und INTEGRAS im letzten Jahr durchgeführt haben. Zusammengekommen sind jeweils eine deutsch- und französischsprachige Gruppe von Pflegekindern, Herkunftseltern und Pflegeeltern sowie eine zweisprachig geführte Dialoggruppe mit Fachleuten, welche Dienstleistungen in der Familienpflege erbringen. Insgesamt 50 Personen beteiligten sich an den entsprechenden «Worldcafés», bei denen es darum ging, die verschiedensten Sichtweisen aufzugreifen, Muster zu erkennen und zu hinterfragen, um am Schluss gemeinsame Erkenntnisse zu gewinnen.

Für das Projekt «Pflegekinder – next generation» war der gewonnene Erfahrungsschatz der Betroffenen äusserst bedeutsam, sagt die Geschäftsführerin der PACH, Karin Meierhofer: «Die Aussagen der Teilnehmenden wurden von uns systematisch ausgewertet. Die so erlangten Erkenntnisse sind dann in unsere Forschungsbedarfsanalyse eingeflossen». Diese wiederum war Teil der Grundlagen für den Entscheid, einen Fokus zu legen auf die Bereiche «Partizipation von Pflegekindern», «Gute Begleitung von Pflegeverhältnissen» und «Vergleich von kantonalen Strukturen».

Nachdem die Ausschreibung erfolgreich abgeschlossen ist und zwei von drei Forschungsprojekten bereits bestimmt worden sind, werden die Dialoggruppen nun mit einem neuen Fokus und Format weitergeführt. Wie bisher geht es um eine aktive und partnerschaftliche Auseinandersetzung zwischen Forschung und Praxis. Während in der ersten Phase gemeinsam mit den Dialoggruppen allgemeine Problemstellungen diskutiert wurden, geht es in der nächsten, zweiten Phase darum, den Dialog zwischen den Forschenden und den Dialoggruppen in Gang zusetzen. Zur Diskussion stehen die Zwischenergebnisse aus der Forschung. Die Ergebnisse dieses Dialogs sollen wiederum in das Projekt «Pflegekinder – next generation» einfliessen.